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How to be happy, Beobachtungen einer Gesellschaft: Warum Hooligan?

Jeder hat da so seine Tricks und Kniffe: Der Typ, der in der Uni neben mir sitzt fährt jedes Wochenende 100te von Kilometern um sich zusammen mit seinen Hooligan-Kollegen mit Fans anderer Teams zu prügeln. Dabei, so führt er aus, achtet er darauf,  sich möglichst schon vor der Abfahrt des Zuges ein paar Biere reinzustellen um „in Stimmung“ zu kommen. Doch warum Hooligan?

Erzählt man so was verschiedenen Leuten, ruft das unterschiedlichste Reaktionen hervor. Von verstaubter „Gewalt-ist-keine-Lösung“-Seite kommt da beispielsweise dann betont bewusstes Kopfschütteln nebst gleichzeitigem Augenrollen, was uns vor allem mitteilen möchte, dass der Spacko uns als aufgeklärtem Akademiker und Veganer natürlich ehrlich leid tut. Wahrscheinlich schiebt er noch ein erklärendes, hobbypsychologisches „schwierige Kindheit, wa?!“ hinterher.

Wir wissen zwar seit Fight Club ob der reinigenden Wirkung einer gepflegten Schlägerei, aber hey: ich mach viermal die Woche Fitnesscenter, digga – ausgeglichener geht ja gar nicht mehr.

Vor allem das Augenrollen hebt uns als geistige Elite hervor, die Fußball zwar verfolgt um mitreden zu können und bei der E oder WM auch mal leicht geschminkt zum Public-Viewing erscheint. Grundsätzlich ist das aber natürlich zu prollig.

Ich meine, ich kann mich da ja schlecht mit meinem Egon Müller Riesling auf die Tribüne setzen und die abgestandene Stadionplörre trink ich nicht. Sowieso kann ich die alle nicht verstehen, warum die ihr hart verdientes Geld (das sind doch eh alles nur arme Schlucker) da aufen Kopp hauen müssen und sich dann auch noch womöglich gegenseitig …

Das kann doch kein erfüllendes Leben(sglück) sein … hier mit meinen elitären Jungs abzuhängen und schön abzulästern hingegen schon. Wenigstens im privaten Rahmen will und muss ich meine geistige Überlegenheit ja raushängen lassen … bei all dem Pack da draußen …!

Auf die Idee, den „Proll“ einfach mal zu fragen, warum Hooligan, kommt unser arroganter Klugscheißer natürlich nicht und ich weiß auch nicht, ob er mit der Antwort groß was anfangen könnte – Elite hin oder her.

Ich hab ihn neulich mal gefragt: Warum Hooligan? Und da das Seminar eh uninteressant war, hab ich mich auf eine ausschweifende und lodernde Antwort gefreut. Die war aber knackig und kurz, dafür umso klarer: „Na weil’s mir gut abgeht, Alter!“

Feddisch! So einfach ist das! Übersetzen wir das nun frei, könnte das auch heißen: „Na, weil’s mir eben Spaß bereitet!“ Spaß und Freude empfindet der Kommilitone also jedes Wochenende. Hinzu kommen Europa- und andere Pokalspiele unter der Woche und gemeinsame Gemeindefahrten zu europäischen Top-Hooligan-Vereinigungen.

Auch unter der Woche macht der Sitznachbar auf mein psychologisch geschultes Auge einen zufriedenen Eindruck – hat er keinen Bock mehr auf das Gelaber des schlauen Kerls unten am Pult, dann steht er auf und geht.
Er ist also auch in der Lage, für sich selbst und sein Wohlsein zu sorgen und ggf. zu reagieren um für ihn unschöne Situationen zu ändern.

Für sein eigenes Wohl sorgen! Wer kann das in Deutschland schon noch? Lauft mal durch die Stadt und fragt 100 Leute, ob sie glücklich sind (nicht zu verwechseln mit „zufrieden“!).

Verdammtnochmal, ich brauch kein Abitur oder Debattierklub zum Glücklichsein. Und ich wette auch, dass unser Beispiel-Hooligan keinesfalls ne schwierige Kindheit hatte – wer in sich ruht und weiß, was er will (noch wichtiger: der weiß, was er nicht will!), der ist doch sicher behütet aufgewachsen. Des Weiteren ist mir insofern scheißegal, was er zum Glücklichsein tut, solange er nur die Leute schlägt, die auch geschlagen werden wollen und zurück schlagen.

Und somit bildet er für mich die Elite Deutschlands; denn zu wissen, wie man Glücklichsein für sich selbst erreichen kann, ist hohe Kunst in diesen Tagen!

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